Die herbstlichen Wärmepole Deutschlands

Den einen oder anderen wird es sicherlich verwundert haben, dass in der Tabelle der wärmsten Orte Deutschlands im September(s. Thema des Tages vom 02.10.2017) die Spitzenreiter allesamt Nord- bzw. Ostseeinseln waren:

1. Platz Helgoland (Schleswig-Holstein) 15,5°C
2. Platz Greifswalder Oie (Mecklenburg-Vorpommern) 14,8°C
3. Platz Norderney (Niedersachsen) 14,8°C

Normalerweise liegen im September allerdings noch die Stationen entlang des Rheins auf den vorderen Plätzen. In diesem Jahr hatten sie aber, sogar im Vergleich zur Periode 1961-1990, negative Temperaturabweichungen um 1 Grad, während es auf den Inseln etwas zu warm war. Bereits diese geringen Differenzen katapultierten die Inseln auf die Spitzenplätze.

Blicken wir aber auf die vieljährige Septemberstatistik, so verwundern die vorderen Plätze der Nordseeinseln schon weniger. Von ca. 500 Stationen liegt Helgoland auf Platz 17, Norderney auf Platz 34 und die Greifswalder Oie auf Rang 62.

Im Oktober belegen die Stationen bereits die Ränge 2, 11 und 41. Auf den weiteren Spitzenplätzen finden wir im langfristigen Mittel die Stationen am Niederrhein und auf den Inseln, der Ober- und Hochrhein ist dagegen kaum noch vertreten.

Im November erreicht Helgoland endgültig den ersten Platz, Norderney hält Rang 6 und die Greifswalder Oie finden wir auf Rang 41. Vom Oberrhein ist auf den ersten 50 Positionen dann nichts mehr zu sehen.


Was den gesamten Herbst betrifft, so liegen Helgoland und Duisburg gleichauf ganz vorne, die folgenden Ränge werden vom Niederrhein und den Nordseeinseln belegt, vom September her gibt es noch Einsprengsel vom Oberrhein.

Wir haben also zwei herbstliche Wärmepole. Zum einen die Nordseeinseln, zum anderen den Niederrhein.

Wie kommen die Inseln zur Ehre eines der Wärmepole? Bei Sonnenschein erwärmt sich die Erdoberfläche schneller als Wasser. Das liegt daran, dass man zur Erwärmung von einem Gramm Wasser mehr Energie braucht als für ein Gramm Erde. Umgekehrt hält das Wasser die Wärme länger als der Erdboden. Daher wird es auf den Inseln im Herbst vor allem nachts nicht so kalt wie auf dem Festland und die Tagesmittel sind höher.

Warum am Niederrhein und nicht am weiter südlich gelegenen Hochrhein im Herbst ein Wärmepol liegt, kann man folgendermaßen erklären. Zunächst liegt der Niederrhein näher am in dieser Jahreszeit die Atmosphäre erwärmenden Meer. Zudem weht der im Nordwesten häufig kräftigere Wind den Nebel bzw. die sich nachts bildende Kaltluftschicht weg und ersetzt sie mit milderer Luft.

Diese Verhältnisse bleiben auch im Winter erhalten. Ab Februar erleben aber die Inseln einen Absturz in den Tabellen (Helgoland und Norderney erreichen nur noch die Ränge 40 und 58), denn die Sonne erwärmt nun das Land wesentlich schneller als das Nordseewasser, das erst im Februar die tiefsten Temperaturen erreicht.

Und wo bleibt die Greifswalder Oie?
Sie liegt so weit im Osten, dass sie bereits im deutlich kontinentaleren und damit kühleren Wetter liegt. Schließlich friert die Ostsee, im Gegensatz zur Nordsee, in manchen Jahren zu. Im Februar ist Rang 291 für die Greifswalder Oie die Folge.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.10.2017

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